Station 1: Turmuhren- und Heimatmuseum

https://www.turmuhrenmuseum-bockenem.de

 

Das Bockenemer Museum entwickelte sich seit den siebziger Jahren aus kleinsten Anfängen heraus. Zwar gab es bereits in nationalsozialistischer Zeit einen bescheidenen Vorläufer mit einer kleineren Sammlung in der damaligen Schule. Doch blieb davon nichts erhalten. In den späten sechziger Jahren erfolgte ein Wiederbeginn in einem Raum der Ambergauschule und 1969/70 die Verlegung in das städtische Gebäude auf dem Markt, das in seinen oberen Etagen noch mit Wohnungen besetzt war. Den zügigen Aufbau und das Zusammentragen und Anlegen reichhaltiger Sammlungen aus allen Bereichen der Stadtgeschichte verdankt die Bürgerschaft dem ersten Leiter Rudi Meller, der diese Aufgabe in den Jahren zwischen 1969 und 1997 versah und für diese uneigennützige Arbeit später mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.


 

Der Schwerpunkt Stadtgeschichte, den das Museum in den ersten Jahren besessen hatte, ist seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Dazu trug bei, dass die allgemeine Museumsdidaktik jener Zeit auf Spezialisierungen drängte. In Bockenem erinnerte man sich an die ehemals bedeutende Turmuhrenproduktion des heimischen Unternehmens Weule, und das umso mehr, als dieser Betrieb über drei Generationen hinweg vielen Bürgern Beschäftigung geboten hatte und seine Turmuhren und Glocken weltweit in alle Kontinente geliefert wurden. Die Stadt und die Museumsleitung entschieden sich für eine Neuausrichtung.

 

Die erste Weule-Turmuhr - 1895 gebaut -  war nach dem Abriss der   katholischen Kirche bereits 1976 in das Museum gekommen. Sie bildete den Grundstock für die neue Abteilung, die von da an zügig ausgebaut und erweitert wurde. Das Bockenemer Stadt- und Heimatmuseum entwickelte sich zu einem Turmuhren-Museum und präsentiert heute 57 Turmuhren, darunter aus jeder Reihe der Weule-Produktion mindestens ein Exemplar.  Zu den herausragenden Stücken gehören eine Uhr mit einem Zeit- und vier Schlagwerken und eine Plantagenuhr, die 1924 für eine argentinische Hazienda geliefert worden war. Unter den Uhren nicht Weulescher Provenienz ist besonders wertvoll eine aus dem Jahr 1563, die vormals im Turm der Sibbesser Kirche gehangen hat und der damaligen Entwicklung entsprechend nur die Zeit anschlagen, sie aber nicht anzeigen konnte.


 

Als Spezialmuseum besitzt das Bockenemer mittlerweile nicht nur unter Kennern der Materie einen hervorragenden Ruf. Es zeigt Einzelexemplare seiner Sammlung auch außerhalb auf größeren Ausstellungen und arbeitet im Verbund mit anderen Museen zusammen.  Auch die Besucher, die ohne Vorkenntnisse kommen, sind von der Vielfalt des Gebotenen beeindruckt und registrieren optisch nicht nur die unterschiedlichsten Typen, sondern akustisch auch das permanente „Ticken“. Jede Uhr ist nämlich „lauffähig“ , was meist mit einem hohen Renovierungsaufwand verbunden ist.

 

Die Turmuhren füllen die gesamte untere Etage des Museums. In den beiden oberen Stockwerken präsentieren sich kleinere Schwerpunkte, darunter das Weule-Arbeitszimmer, ein Technik-Bereich, die kleine Abteilung Stadthandwerk und ein Biedermeier-Zimmer. Im Außenbereich kann eine komplette Schuhmacherwerkstatt besucht werden und liegt ein Teilstück der früheren Bockenemer Wasserleitung, die bei der Marktrenovierung 1979 geborgen werden konnte.

 

Die regelmäßigen Öffnungszeiten sind samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr. Führungen sollten mit Voranmeldung beim Museumsleiter Hans-Jörg Drake unter der Rufnummer 05067-247674 oder Günther Haars 05060 - 96 13 62  getätigt werden. Informationen über das Unternehmen Weule und seine Produktion gibt es ausführlich im Museum.

 

Turmuhrenmuseum